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Johann Joachim Winckelmanns Wirken auf Schloss Nöthnitz und in Dresden

Klaus-Werner Haupt

Nach rastlosen Jahren findet Johann Joachim Winckelmann auf dem nahe Dresden gelegenen Schloss Nöthnitz eine Anstellung als Bibliothekar. Die bünausche Bibliothek und die Kunstsammlungen der nahen Residenzstadt ermöglichen Kontakte mit namhaften Gelehrten. In ihrem Kreise erwirbt der Dreißigjährige das Rüstzeug für seine wissenschaftliche Karriere. Sein epochales Werk „Gedancken über die Nachahmung der Griechischen Werke in der Mahlerey und Bildhauer-Kunst“ (1755) lenkt den Blick auf die Kunstsammlungen Augusts III. und ebnet den Weg nach Rom.

Winckelmanns Briefe, von denen mehr als fünfzig aus den sächsischen Jahren überliefert sind, lassen seinen Karrieresprung, aber auch seine persönlichen Nöte vor unseren Augen lebendig werden. Zwei Gastbeiträge über die jüngere Geschichte des Schlosses und die Visionen der Freunde Schloss Nöthnitz e. V. runden den Jubiläumsband ab.

Denkmal für die Märzgefallenen

Denkmal für die Märzgefallenen

Carolin Eberhardt

Deutschlandweit, so zum Beispiel in Berlin, wird den sogenannten Märzgefallenen gedacht. Gemeint sind damit primär die Opfer, welche während der Märzrevolution 1848 in Wien und Berlin ihr Leben gaben. Die Bezeichnung „Märzgefallene“ wurde im Laufe der Historie allerdings um die Opfer des Kapp-Putsches von 1920 erweitert und sogar in ironisch, beinah zynischem Gebrauch in Bezug auf die nach der Reichstagswahl im März 1933 hunderttausenden Menschen verwendet, welche die NSDAP-Mitgliedschaft beantragten. Aber auch für die zuletzt in die zwangskollektivierte Landwirtschaft der DDR 1960 aufgenommenen Landwirte wurde der Begriff gebraucht.

Nicht nur der Friedhof der Märzgefallenen in Berlin, sondern, wie schon erwähnt, auch anderorts, finden sich Gedenkstätten für die Todesopfer der Revolution oder des Kapp-Putsches. So auch in Eisenach, Mechterstädt und Weimar, wo Denkmäler an die Verstorbenen erinnern. Das Weimarer Denkmal für die Märzgefallenen befindet sich auf dem Historischen Friedhof der Kulturstadt. Erschaffen wurde das modern wirkende Denkmal von dem Direktor des Bauhauses, Walter Gropius, im Auftrag des Gewerkschaftskartells. Es soll den Menschen gedenken, die 1920 ihr Leben für die Niederwerfung des rechtsradikalen Kapp-Putsches opferten.

Nachdem der Mitbegründer der Deutschen Vaterlandspartei Wolfgang Kapp am 13. März 1920 die Reichsregierung für abgesetzt und die Nationalversammlung für aufgelöst erklärte, riefen die Regierung zum Widerstand, die Gewerkschaften zum Generalstreik auf. In Weimar versammelten sich vor dem Weimarer Volkshaus tausende Demonstranten, von denen bei einem Angriff durch Naumburger Jäger 35 schwer verletzt, neun Arbeiter sogar getötet wurden. Das durch Gropius entworfene Denkmal wurde zu Ehren der Verschiedenen über sieben der neun Gräber errichtet und am 1. Mai 1922 eingeweiht.

Das Denkmal wurde in expressionistischem Stil mit kristallinen Strukturen aus Beton in der Form eines Blitzes geschaffen und zählte zur damaligen Zeit zu den ersten abstrakten Denkmälern Deutschlands. Gropius äußerte dazu: „Der Blitz aus dem Grabesboden als Wahrzeichen des lebendigen Geistes.“ Ursprünglich wurde das Denkmal in Kalkstein geplant, die tatsächliche Umsetzung erfolgte in Beton mit dem Zusatz von Muschelkalk sowie schwarzer und weißer Terazzokörnung. Gropius arbeitete bei dem Entwurf mit der Bildhauerwerkstatt des Bauhauses zusammen, hier entstand auch ein vorläufiges Gipsmodell.

Während des NS-Regimes wurden der Hauptkörper ,"der Blitz", sowie die kleine Pyramide 1935 gesprengt, so dass lediglich die flachen Teile des Denkmals weiter das Grabfeld bedeckten. Die Rekonstruktion des Denkmals erfolgte unmittelbar nach Kriegsende. Am 23.03.1946 fand bereits zu Ehren der Kapp-Putsch-Opfer im Rahmen einer Gedenkveranstaltung die offizielle Einweihung des Denkmals statt. Die Inschrift „Den Märzgefallenen 1920“ wurde enthüllt und kann heute noch bei einem Besuch des Gedenkortes an dieser Stelle gelesen werden.

 

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Textquellen: 

Haage, Rolf: Weimar: Ein Führer durch die Klassiker-Stadt, Erfurt: Sutton Verlag GmbH, 2011, S.89.

Günther, Gitta; Huschke, Wolfram: Weimar: Lexikon der Stadtgeschichte; Steiner, Wolfgang (Hrsg.), Weimar: Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, 1998, S.83.

Poppe, Birgit; Silla, Klaus: Lieblingsplätze zum Entdecken: Erfurt und Weimar, Meßkirch: Gmeiner-Verlag GmbH, 2019.

Krohn, Carsten: Walter Gropius: Bauten und Projekte, Basel: Birkhäuser Verlag, 2019, S.44.

 

Bildquellen: 

Vorschaubild: Weimar, Historischer Friedhof, Denkmal für die Märzgefallenen von Walter Gropius, 1922, SLUB / Deutsche Fotothek / Wolff, Paul <1876> gemeinfrei.

Weimar, Denkmal der Märzgefallenen, 1974, © SLUB / Deutsche Fotothek / Rabich, Waltraud CC BY-SA 4.0.

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Historischer Friedhof
99425 Weimar

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